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Linzgau-Literatur-Verein: Dialog-Lesung über das Ehepaar Tolstoi berührt tief

 

Das Jahresprogramm des Linzgau Literatur Vereins startete mit einer Lesung aus Tolstois Werken. In der Mitte die Vorsitzende Dodo Wartmann, daneben das vortragende Ehepaar Ulli und Chris von Bennigsen. | Bild: Lothar Fritz

 

Frickingen/Salem

 

vor 20 Stunden

 

Lothar Fritz

 

 

 

Eine Dialog-Lesung des Linzgau-Literatur-Vereins über das Ehepaar Tolstoi hat das literaturbegeisterte Publikum beeindruckt. Ausgewählte Textstellen dokumentierten die Sichtweisen von Mann und Frau auf die Liebe und den Sinn der Ehe im 19. Jahrhundert.

 

 

 

Der Linzgau-Literatur-Verein (Lilive) startete mit dem spannenden Versuch in das Jahr 2018, die weltliterarische Auseinandersetzung des Ehepaares Tolstoi anhand zweier Bücher der Autoren in einer Dialog-Lesung darzustellen. Die Veranstaltung stieß auf ein breites Interesse. Das literaturbegeisterte Publikum wurde von der Vorsitzenden Dodo Wartmann im Salemer Fachwerk 11 begrüßt, das für solche Veranstaltungen das passende Ambiente und ein aufgeschlossenes Serviceteam bietet.

 

Das Ehepaar Ulli von Bennigsen und Chris von Bennigsen, beide stellvertretene Vorsitzende von Lilive, habe für seine Lesung „Die Kreutzersonate“ von Lev Tolstoi (1828 – 1910) und „Eine Frage der Schuld“ von Sofja Tolstaja (1844 – 1919) ausgesucht. Ausgewählte Textstellen dokumentierten die unterschiedlichen Sichtweisen von Mann und Frau in Beziehung auf die Liebe und über den Sinn der Ehe im 19. Jahrhundert. Tolstoi benannte seine Novelle „Die Kreutzersonate“ (1887/88) nach Beethovens populärer Violinsonate in A-Dur, die dem französischen Geiger Rodolpho Kreutzer gewidmet war. Tolstoi erzählt in der Figur des Posdnyschew seine eigene Lebensgeschichte. Die Lebensgeschichte eines innerlich zerrissenen Mannes, den die rasende Eifersucht auf einen Musiker zu einer brutalen Tat treibt, und der seine Frau für sein Verderben verantwortlich macht. Tolstoi, der in seinen jungen Jahren ein ausschweifendes Leben geführt hatte, suchte danach „das vollkommenste Geschöpf der Erde, das meiner würdig, ist“ zur Frau und heiratete 1862 die 18-jährige Sofja. Das Buch war damals ein Skandal. Der gefeierte Autor und religiöser Sinnsucher offenbarte seine frauenfeindliche Einstellung. Die Öffentlichkeit sah darin eine persönliche Abrechnung mit seiner Frau. Sofja Tolstaja antwortete literarisch mit dem Buch „Eine Frage von Schuld“ (1892/93), das allerdings erst hundert Jahre später veröffentlicht und erst 2010 ins Deutsche übersetzt wurde. Sie, die 13 Kinder zur Welt brachte und seine Werke abschrieb, zeichnet darin das Bild von zunehmender Entfremdung zwischen den Eheleuten, von Enttäuschungen und fehlendem Vertrauen. Für sie bedeutete Liebe in der Ehe eine geistige Liebe, die er nie verstanden habe. Und dennoch blieben sie 48 Jahre ein Paar.

 

 

 

Der Wechsel von Ulli von Bennigsens einfühlsamer Darstellung des Schicksals der Sofja Tolstaja zu der von Chris von Bennigsen pointiert wiedergegebenen Zwiespältigkeit Tolstois, illustriert durch Bildprojektionen und dazu eine Hörpassage aus der Kreutzersonate, war ein gelungener Versuch dieses Vortragsformats. In der anschließenden lebhaften Diskussion erwies sich Ulli von Bennigsen als profunde Kennerin der Werke Tolstois, die sie schon in der Jugend fasziniert haben.

 

 

 

Der Shanty-Chor Überlingen nannte sein gelungenes Konzert im Dorfgemeinschaftshaus "Weihnacht Auf See", doch eigentlich hätte es "Benefiz für Afrika" heißen können. Zusammen mit dem Linzgau-Literatur-Verein (Lilive) trat der Chor für den guten Zweck auf.

 

Schwäbische Zeitung

ÜBERLINGEN (sz) - Der Shanty-
Chor Überlingen und der Linzgau Literatur / Foto privat

Der Vorstand 2014 des Linzgau Literatur Vereines v.links:

Jürgen Wartmann/ Kassier, Chris v.Bennigsen / Schriftführer, Ulrike v. Bennigsen stellvertretende Vorsitzende, Doris Wartmann / Vorsitzende, Wolfgang Padur / Beisitzer, Suzan Hahnemann / Beisitzer, Mathias Westburg / Beisitzer, Heinrich Elbers / Kassenprüfer, Cornelia Asal / Kassenprüferin

Foto / L. Fritz 2014